Wandmalerei

Hannover, Von Alten Allee, Villa, Deckenmalerei
Konservierung/Restaurierung 2012

Material: Kalkputz, Leimfarbe, Metallauflagen
Datierung: 1857

Die Malerei befindet sich im Hauptsaal des ersten Obergeschosses. Über die gesamte Decke erstreckt sich eine ornamentale Malerei mit vegetabilen Bändern und Rosetten, ursprünglich ausgeführt in Grisaille-Technik. Durch Licht- und Schattenführung ergibt sich eine illusionistische, stark plastische Wirkung, so dass der Eindruck entsteht, es handele sich um Stuckapplikationen. Die Decke wird umlaufend von einem Stuckrahmen eingefasst. Der Übergang zur Wand wird durch eine ebenfalls bemalte Voute geschaffen. Auch hier findet sich im oberen Bereich eine ornamenale Bemalung in Grautönen mit plastischer Wirkung. Der übrige Teil ist mit einer Rosa-Braun-Fassung mit schabloniertem Ornament geschmückt. Den unteren Abschluss der Voute bildet ein stuckierter Bereich.

Decke, Glanz der Vergoldung, Streiflicht Voute, ursprüngliche Malerei und Überfassung Voute, Visualisierung der ursprünglichen Malerei

Maltechnik
Die Malerei von Decke, Stuck und Voute ist leimgebunden. Die gesamte Decke wurde in einem hellen Grau-Grünton gestrichen. Darauf folgten die Binnenflächen der Felder und die Ornamentik. Der gestreifte Hintergrund der Ornamentbänder wurde danach angelegt. Als Fassung kamen hier Streifen aus Gold/Bronze und Grau-Grün zur Ausführung. Die Oberflächenstruktur der metallischen Streifen weist darauf hin, dass echte Metallauflagen verwendet wurden und nicht Gold- bzw. Bronzefarbe. Die heutige rötlich-braune optische Erscheinung der vergoldeten Streifen ist auf Korrosion zurückzuführen. Die Licht- und Schattenstriche und Rahmungen der Felder und Bänder erfolgten zuletzt. Die monochromen Felder der Decke wurden mindestens einmal überstrichen. Als Übermalung liegt ein sehr pastoser, stark kreidender, in der Farbigkeit vom Original abweichender grauer Anstrich vor. Deutlich sind die Ansätze dieser Überfassung zu erkennen, sie spart die Ornamentik aus. Die dunkelbraunen und gelben äußeren Konturen des Ornaments sind ebenfalls nachgezogen, sie sind in dieselbe oder eine weitere Übermalungsphase einzuordnen. In der Voute läuft im oberen Bereich ein Band mit Blattornamenten in Grautönen mit Licht- und Schattenstrichen. Das Ornamentband ist sowohl zeitlich als auch maltechnisch der Fassung der Decke zuzuordnen. Die Rosa-Braun-Fassung des übrigen Bereichs besteht in einer rosafarbenen, stark patinierten Grundfarbe mit schabloniertem Ornament in einem dunklerem Ton. Diese Fassung ist als Übermalung anzusehen. Der ursprüngliche Malereibestand zeichnet sich durch die Überfassung hindurch ab. Das ursprüngliche Ornament besteht aus einem geometrischen Rautenmuster, deren Innenfelder mit Sternen geschmückt sind. Diese in Grau und Gold ausgeführte Fassung ist zusammen mit dem Ornamentband im oberen Bereich als Erstfassung anzusehen. Die Metallauflage besteht aus einem anderen Material als die der Decke, denn durch Korrosion verfärbt sie sich grün bis schwarz.

Vorzustand Vorzustand Vorzustand, Dachbodenzugang

Erhaltungszustand
Malerei und Stuck waren stark verschmutzt. Ablagerungen aus Staub, Spinnweben und Ruß lagen überall vor, besonders aber in den Vouten und am Stuckgesims. An der gesamten Deckenmalerei liegen zahlreiche Feuchtigkeitsflecken und Wasserränder vor, die den optischen Eindruck stark beeinträchtigen. An der Südseite sind umfangreiche Salzausblühungen feststellbar. Feuchte und Salze haben zu gravierenden Verlusten in dieser Zone geführt. Die Malschichten sind stark gestört und in weiten Teilen gar nicht mehr vorhanden. Putz und Stuck sind entfestigt und sanden stark ab. Verluste reichen von Fehlstellen in der Malschicht bis hin zu vollständigem Verlust der Malerei und ihrer Träger. In einigen Bereichen sind Abplatzungen der Malschicht, oftmals auch nur der Überfassung feststellbar. Aus der Verschraubung der Haken für eine ehemalige Deckenabhängung resultieren Löcher und Kratzspuren. Viele Risse durchziehen die Decke und teilweise auch die Voute. Dieses Rissnetz resultiert aus den nahen Bombentreffern des II. Weltkriegs, wodurch es zu Setzungen und Verschiebungen des Mauerwerks kam. Den größten Umfang haben Fehlstellen der Malerei mitsamt ihres Putzträgers. Der Verputz hat sich hierbei entweder vom Schilfrohr gelöst oder das Schilfrohr selbst hat sich vom Holzträger gelöst. Stellenweise ist das Schilfrohr zwar noch intakt ist, die Drähte und Nägel, mit denen es befestigt war, sind jedoch korrodiert und gebrochen. In einigen Fehlstellen ist auch das Schilfrohr nicht mehr intakt oder nur noch in Resten erhalten. Im Bereich eines ehemaligen Durchbruchs zum Dachboden befindet sich ein großes Loch in Wand und Decke. Die Deckenbretter sind grob abgesägt und sehr lose, was bereits zu umfangreichen Verlusten von Verputz und Malschicht geführt hat. Voute und Stuckgesims sind im westlichen Bereich der Südwand, am östlichen Bereich der Nordwand und an der Westwand besonders stark geschädigt. Das untere Viertel der Voute ist nicht mehr vorhanden. Stuckgesimse und Fries fehlen vollständig. Die Fassung der Hintergrundbereiche des Ornamentbandes der Decke weist eine stark überhöhte Oberflächenspannung auf. Durch das Überbinden der Farbe kommt es nun zu Aufrollen und Aufstehen der Malschicht, wobei teilweise die darunterliegende Grundierung mit abgehoben wird.

Vorzustand, Verschmutzung und Salze Voute, Reinigungsprobe Decke, Vorzustand, aufstehende Malschicht Decke, Zustand nach Malschichtfixierung
Decke, Fehlstelle, Vorzustand Decke, Fehlstelle, erneuertes Schilfrohr Decke, Fehlstelle, Vorzustand Decke, Fehlstelle, Endzustand

Konservierung/Restaurierung:
Decke, Voute und Stuckgesimse wurden von losen Schmutzauflagerungen, Spinnweben und lose aufliegenden Salzausblühungen befreit. In einem zweiten Schritt erfolgte die trockene Reinigung der Malerei und des Stucks mit Gomma Pane. Lockere Putzbereiche wurden hinterfüllt. Sandender Putz wurde gefestigt. Die Malerei im Fries wurde konsolidiert und aufrollende und abblätternde Malschichten niedergelegt und fixiert. Korrodierte Drähte der Schilfrohrmatten wurden durch neue verzinkte Drähte ersetzt. Zur Befestigung wurden, wenn intakt, die alten Nägel genutzt. Waren diese korrodiert oder nicht mehr erhalten, wurden stattdessen verzinkte Schrauben mit Unterlegscheiben verwendet, um die Erschütterung der Decke durch Hammerschläge beim Nageln zu vermeiden. Aus Schilfrohrmatten, die grundsätzlich intakt waren, aber fehlende, geknickte oder gebrochene Schilfhalme enthielten, wurden letztere entfernt und durch einzelne Schilfhalme ergänzt. Nicht intakte Schilfrohrmatten in Fehlstellen wurden entfernt und durch neue ersetzt. Der Durchbruch zum Dachboden wurde in Bestandswerktechnik geschlossen. Als neuer Putzträger dient hier Ziegelgewebe.

Ehem. Dachbodenzugang, Zwischenzustand Ehem. Dachbodenzugang, Zwischenzustand Ehem. Dachbodenzugang, Endzustand

Risse, kleine Löcher und kleine Fehlstellen mit geringer Tiefe wurden mit feinem Kalkmörtel auf Basis von dispergiertem Weißkalkhydrat geschlossen. Größere Putzfehlstellen wurden mit Kalkmörtel geschlossen. Die Ergänzungen wurden in Annäherung an den ursprünglichen Bestand abschließend verdichtet und geglättet. Sämtliche Retuschen erfolgten mit Leimfarbe. Es wurden Vollretuschen im Grundton ausgeführt. Für die Decke wurde als Grundton ein helles Grau-Grün, entsprechend der originalen Hintergrundfarbigkeit angemischt. Für die Voute war der Grundton rosa-braun. Nur für den oberen Bereich des Ornamentbandes wurde der Retuscheton für die Decke verwendet, da dieser sich unauffälliger einbinden ließ. Alle Fehlstellen wurden mit den entsprechenden Retuschefarben geschlossen.