Untersuchung

Hannover, Davenstedter Straße, Wohnhaus, Fassade
Restauratorische Untersuchung der Farbfassungen und des Zustands 2006

Material: Naturstein mit Verputz und verschiedenen Fassungen
Datierung: 1891

Das 1891 errichtete zweigeschossige, verputzte Gebäude mit roter Sandsteingliederung steht mit der Traufseite zur Straße. Eine große Giebelgaube, die von zwei kleineren Gauben flankiert wird, gliedert das Dach. Der Giebel, in erster Linie derjenige auf der Ostseite, ist stufenförmig ausgeführt. Auf der Westseite wird der Stufengiebel durch den turmartigen Anbau des Treppenhauses überlagert und ist nur im Ansatz erkennbar. Zutritt zum Gebäude erhält man durch einen kleinen Vorbau an der Westseite, der in das Treppenhaus führt. Zahlreiche Anbauten, Erker und Dachausbauten geben dem Bau den charakteristischen Umriss.
Die Fassade gliedert sich im Wesentlichen durch den hellen sandfarbenen Putz und das Dunkelrot des Portals, der Fenstergewände, Gesimsbänder und Eckgliederungen. Durch die rote Fassung der Gliederungselemente wird dem Betrachter das Vorhandensein von Naturstein suggeriert. Allerdings sind nur auf der Straßenseite (Nordseite) und in Teilbereichen der Westseite Naturstein verbaut. Die übrigen Fenstergewände und Gliederungen sind aus Putz hergestellt, der auf der Nord-, Ost- und Westseite eingefärbt wurde. Diese sind mit einem dunkelroten Farbanstrich versehen, der heute für das Erscheinungsbild kennzeichnend ist. Alle Fenster und Flügeltüren sind weiß gestrichen. Der Holzerker auf der Nordseite (Straßenseite) ist in unterschiedlichen Grautönen farbig abgesetzt, wobei die Fensterrahmen analog zu den restlichen Fenstern weiß abgesetzt sind. Lediglich die Eingangstür aus Eichenholz ist mit einem transparenten Überzug versehen und daher naturfarben. Teile der Holzbrüstung auf der Südseite sind in einem Braunton gestrichen.

Fassungsbefunde Ostfassade Befund an der südlichen Fensterleibung Befund an der Fensterleibung

Untersuchungen zur ursprünglichen Farbigkeit ergaben für die Putzflächen einen ockerfarbenen Wandton, der im Vergleich zum heutigen Anstrich in seiner Farbgebung deutlich kräftiger war. Der Fassungsaufbau erfolgte zweischichtig; ein dünner lasurartiger Farbauftrag auf einer hellen sandsteinfarbenen Grundierung. Die Vermutung, dass es sich bei der Erstfassung um einen farblich differenzierten zweischichtigen Aufbau handelt wird damit begründet, dass beide aufeinander liegenden Schichten mit einem feinen flächigen Craquelé durchzogen sind und der zweite Farbauftrag nur sehr dünn erfolgte. Darüber hinaus befindet sich über der ockerfarbenen Fassung eine Schmutzschicht. Über dieser Erstfassung liegt ein kompakter Anstrich in einem gebrochenem Weißton, der vermutlich die Grundierung des darüber liegenden und heutigen hellen sandsteinfarbenen Anstrichs darstellt. Das Portal, die Fenstergewände der Nordseite, die trapezförmigen Fenster des Treppenturmes, die übrigen Fensterbänke auf der Ost- und Westseite, die umlaufenden Gesimse, die Abdeckplatten des Stufengiebels und Einfassung der Giebelgaube sind aus einem roten homogenen Sandstein gearbeitet, der ursprünglich keine Fassung aufweist. Teilweise ist heute der Sandstein mit einer dunkelroten Farbe gestrichen. Auf Grund der Befunde kann von einer farbigen Differenzierung der Fassaden in eine Schau- bzw. Straßenseite und eine Gartenseite ausgegangen werden. Diese Teilung wird noch betont, indem auf der Straßenseite für die Fenstergewände Naturstein, auf denen von der Straße nicht einsehbaren Fassaden, lediglich Mörtel für die Fassadengliederung verwendet wurde. Die Fenster und Türrahmen sind heute weiß gefasst. Farblich sind nur Differenzierungen am Erker auf der Nordseite und am Wintergarten festzustellen. Dort sind einzelne Bereiche in grau farblich abgesetzt. Des Weiteren konnte festgestellt werden, dass als Erstfassung ein dunkles Braun vorlag, das bei einer späteren Überarbeitung mit einem dunklen Grün überfasst wurde.

Erhaltungszustand
Die Putzbereiche und damit in erster Linie die sandsteinfarbenen Rücklagen sind mit einer sehr dicken, elastischen und wasserdampfsperrenden Farbschicht versehen. Diese ist teilweise stark verschmutzt, abgewittert oder weist partiell starke Blasenbildung und Abplatzungen auf. Vor allem auf der Ost- und Südseite, wo starker Efeubewuchs vorhanden war, weist die Farbfassung große Fehlstellen auf. Der Zustand des Natursteines variiert sehr stark. Partiell stark geschädigte Oberflächen durch Rissbildung, Schalenbildung und Absanden sind neben stabilen und intakten Oberflächen vorhanden. Im Giebelbereich ist der rote Sandstein leicht abgewittert, auch finden sich ablösende Schalen und stark entfestigte Zonen. Der Erhaltungszustand des Natursteines steht unter anderem in direktem Zusammenhang mit der derzeitigen dunkelroten Farbfassung. Diese ist auf dem Naturstein teilweise abgeplatzt, weist starke Riss- und Blasenbildung auf, wobei der darunter liegende Naturstein mit abgelöst wird. Der Stein ist in diesen Zonen entfestigt und sandet sehr stark, so dass die originale Oberfläche zerstört wird. Ähnlich stellt sich die Problematik an den Gesimsen und Fenstergewänden aus Putz dar. Durch Risse und sonstige Beschädigungen kann Wasser in das Mauerwerk eindringen, welches aufgrund des dichten Farbanstrichs nicht wieder verdunsten kann. Als Folge staut sich das Wasser hinter der Oberfläche, wobei sich zunächst Blasen bilden, diese im weiteren Verlauf aufplatzen und somit vermehrt Wasser eindringen kann. Entfestigte Oberflächen und im weiteren Verlauf Abplatzungen und Verlust der Oberflächen sind die Folge. Des Weiteren können an den Zierputzflächen Risse beobachtet werden.. Die Fassung der Fenster und Türen ist größtenteils sehr stark abgewittert, die Farbschichten abgeplatzt bzw. nicht mehr vorhanden. Vor allem der Holzerker an der Nordfassade weist aufgrund des nicht mehr vorhandenen Schutzanstriches sehr starke Schäden am Holz auf (Vergrauung, Rissbildung).

Schäden am Naturstein Abplatzende Fassung und Natursteinschäden