Naturstein

Stadthagen, Mausoleum des Fürsten Ernst, Grabmonument und Fußboden
Konservierung/Restaurierung 2010

Material: Alabaster, Kalkstein, Marmor
Datierung: 1619-25

Das Stadthäger Mausoleum der Fürsten von Schaumburg wurde unter Fürst Ernst, Graf von Holstein-Schaumburg (1569-1622) in den Jahren 1616-1625 im Stil der italienischen Hochrenaissance errichtet. Es erhebt sich östlich des Chores der Stadtkirche St. Martin als Zentralbau, dessen Grundfläche ein Siebeneck bildet. Mittelpunkt des Innenraums ist das Grabmal für Fürst Ernst, gestaltet in Form eines stilisierten Sarkophags, der von einer Auferstehungsgruppe umgeben ist. Das Monument erhebt sich auf querrechteckigem Grundriss. Zuunterst findet sich die niedrige Bodenplatte aus schwarzem Kalkstein in Form eines Vierpasses mit eingefügten Zwickeln und parallelen Längsseiten. Dieser Grundriss setzt sich in allen folgenden Aufbauten fort. Auf der Bodenplatte befindet sich das Postament aus Alabaster, das oben und unten von einem mehrfach verkröpften Gesims aus rotem Kalkstein abgeschlossen wird. Die obere Platte ist wie die Stufe unter dem Postament gestaltet. In alle Seiten des Postaments sind Bronzereliefs eingelassen. Auf der Deckplatte befinden sich jeweils mittig an den vier Seiten große Bronzefiguren in Form von Grabwächtern. Auf dem Postament befindet sich der Sockel des Sarkophags aus schwarzem Kalkstein. Der Sarkophag aus Alabaster wird von vier bronzenen Löwenfiguren getragen. Auf den Ecken des Sarkophags befinden sich vier sitzende Putti mit den Arma Christi. Über dem Sarkophagdeckel befindet sich ein Aufsatz aus schwarzem Kalkstein und darauf als oberster Abschluss die stehende Christusfigur. Der Fußboden besteht aus einem dreifarbigen Plattenbelag aus Kalkstein und Marmor. Im Wechsel verlegte rote, weiße und schwarze rautenförmige Platten verlaufen sternförmig zur Mitte und bilden ein illusionistisches Würfelmuster. Die Grundform des Fußbodens nimmt Bezug auf die siebeneckige Form des Mausoleums. Die Randbereiche sind mit weißen Platten belegt.

Erhaltungszustand
Die Oberflächen des Alabasters sind offenporig, die ehemals vorhandene feine Oberflächenpolitur ist verloren. Besonders am Sarkophagdeckel finden sich grobe Kratzspuren von Drahtbürsten o.ä., die auf eine historische Reinigungsmaßnahme hindeuten. Deckel und Oberseite des Sarkophags sind stark verschmutzt und vergrünt/verschwärzt, was auf eine historische Schwefelbehandlung der Bronzen zurückzuführen ist. An Sarkophagwanne und Postament lassen sich Umkristallisation und weiße Auflagerungen feststellen, die auf historische Reinigungsmaßnahmen zurückgehen oder aus Ausscheidung von feinkristallinem Gips durch hohen Wassereintrag bzw. hohe Luftfeuchtigkeit in der Vergangenheit resultieren. Sarkophagwanne und Deckel weisen mehrere lockere Bereiche, Risse, Hohllagen, Ausbrüche, offene Fugen und Ergänzungen auf.

Deckel und Aufsatz, Verschmutzung und historische Ergänzung Sarkophagdeckel, Verschmutzung und historische Ergänzung Postament, Risse und Verfärbung

Die Kalksteinwerkteile sind oberflächig leicht verschmutzt und stark verdichtet. Vor allem der schwarze Stein wirkt an der Oberfläche teilweise fast glasartig und weist weißliche bis graue Verfärbung und stellenweise Pinselspuren auf. Diese Spuren deuten auf eine historische Steinbehandlung zur Wiedergewinnung von Oberflächenglanz und Politur hin. Das Sockelglied unter dem Sarkophag weist an der Oberseite Abplatzungen und Schuppen-/Schalenbildung auf. An allen Kalksteinwerkstücken liegen offene Fugen, Ausbrüe und Kittungen vor. Der heute sichtbare Fußboden stammt von 1897 und wurde über dem bauzeitlichen Bestand verlegt, der nur noch fragmentarisch vorliegt. Wie der ursprüngliche besteht der jüngere Belag aus weißem, roten und schwarzen Kalkstein bzw. Marmor. Der rote und schwarze Stein sind stark geädert, mit auffälligen Kluftausfüllungen und unterscheiden sich damit erheblich von den ursprünglichen Platten, die aus einem rosafarbenen Stein mit wenigen wießen und grauen Adern und einem schwarzen Stein mit wenigen hellgrauen Adern und beige-braunen Einschlüssen bestehen. Die Platten sind mit sehr engen Fugen, teilweise fugenlos versetzt. Es sind kaum Reparaturen zu verzeichnen. Lediglich im Übergang zur Schwelle des Vorraums wurden die hier sehr breiten Fugen erneuert. Der Mörtel ist sehr hart und spröde, die Flanken sind weitgehend abgerissen. Die Fugen sind in einigen Bereichen ausgebrochen. Der Belag ist weitgehend intakt. Der rote Kalkstein weist ein spezifisches Schadensbild auf, das langfristig beobachtet werden sollte. Nur in diesem Material finden sich zahlreiche Ausbrüche und schollenartige Abplatzungen. Der Fußboden ist stark zerkratzt. Insgesamt zeigt sich eine starke Verschmutzung und Vergrauung. In Ausbrüchen und offenen Fugen finden sich umfangreiche Schmutzansammlungen und Rückstände von Reinigungsmitteln und Wachs.

Sockel, verdichtete und vergraute Oberfläche Deckplatte Postament, historische Kittung Fußboden, Verschmutzung Fußboden, Löcher und Schmutzansammlungen

Konservierung/Restaurierung:
Alle Steinflächen des Grabmals wurden trocken mit Staubsauger und weichem Pinsel gereinigt. Anschließend erfolgte eine feuchte Reinigung mit einem Gemisch aus destilliertem Wasser und Ethanol, wobei besonders an den Alabasterflächen der Feuchtigkeitseintrag so minimal wie möglich gehalten wurde. Am unteren Gesims des Postaments und an der Stufe unter dem Postament wurde eine Reduzierung der Wachsreste mit Aceton und Balsamterpentinöl vorgenommen. Die roten Farbreste am oberen Gesims des Postaments wurden mit Abbeizpaste entfernt. Optisch stark störende, lockere und substanzschädigende Ergänzungen wurden entfernt. In den Alabasterwerkteilen wurden die meisten Kittungen belassen, um das Material nicht zu schädigen. Einzig die an der Nordseite des Postaments vorliegenden dunkelgrauen, vermutlich zementhaltigen Kittungen wurden entfernt. Sie waren optisch sehr störend und extrem hart. Abgelöste Fragmente wurden entnommen, gereinigt und refixiert.

Sarkophagdeckel, Reinigungsprobe Postament, Reinigungsprobe Sarkophagdeckel, entfernte Ergänzung
Sarkophagdeckel, neue Ergänzung Postament, ausgearbeitete Kittungen Postament, neue Kittungen
Endzustand

Alle offenen und ausgearbeiteten Fugen, Fehlstellen und Löcher wurden ausgesaugt und ergänzt. Nur an der Oberseite der Deckplatte des Postaments wurde aufgrund höherer mechanischer Beanspruchung und Tropfenbildung durch Tauwasser im Gewölbe und an den Bronzen alle Fehlstellen geschlossen, um einen geschlossenen, stabilen und nachhaltig konservierten Bestand zu gewährleisten. Alle Risse, die breiter als Haarrisse waren, wurden geschlossen. Anschließend erfolgte eine Retusche in aqua sporca-Manier, die, angepasst an den jeweiligen Lokalton, mehr oder weniger Lasurwirkung aufweist. Die Kalksteinflächen wurden abschließend geölt. Dadurch konnte die Verfärbung erheblich reduziert werden und die Steinvarietäten sind wieder in ihrer jeweiligen Farbigkeit wahrnehmbar. Der stumpf und unplastisch wirkende Sarkophagdeckelaufsatz wurde zusätzlich mit einer Wachspolitur versehen. Mit der Wachspolitur gleicht seine Oberfläche den übrigen Kalksteinelementen in Glanzgrad und plastischer Wirkung.
Der Fußboden des Mausoleums wurde feucht gereinigt. Lockere und mürbe Fugen des Kalksteinbelags wurden ausgearbeitet und ergänzt. Abschließend erfolgte eine Wachspolitur.