Gips/Kalk/Zement

Hannover, Von Alten Allee, Villa, Stuckgesims
Restaurierung/Rekonstruktion 2012

Material: Gips/Halbhydrat
Datierung: 1857

Im Hauptsaal des ersten Obergeschosses sind die ursprüngliche Deckenbemalung und die ebenfalls bauzeitlichen Stuckprofile erhalten. Über die gesamte Decke erstreckt sich eine ornamentale Malerei, sie wird umlaufend von einem Stuckrahmen eingefasst. Der Übergang zur Wand wird durch eine ebenfalls bemalte Voute geschaffen. Den unteren Abschluss der Voute bildet ein stuckierter Bereich. Oben verläuft ein Kaffgesims mit abgeschrägter Deckplatte, Hohlkehle und Wulst. Darunter befindet sich ein stuckierter, bemalter Fries. Nach unten schließt ein weiteres Stuckprofil als Wulst mit einem abstrahierten Blattfries ab.
Der größte Teil des Stucks wurde in situ gezogen. Der Rauhzug besteht aus Kalkmörtel, der Feinzug besteht aus Stuckgips. Die Profile sind mit Eisendraht armiert. Nur das unterste Stuckprofil besteht aus vorgefertigten Stücken. Sie sind in der Wand mit langen Nägeln verankert und mit Gips fixiert worden. Alle Stuckprofile sind mit Leimfarbe in Eierschalenton gefasst. Auch die Bemalung des Frieses wurde mit Leimfarben ausgeführt. Auf blauem Grund verläuft ein in Grautönen gemaltes Blattornamentband.
Der Stuck war stark verschmutzt. Neben Ablagerungen aus Staub, Spinnweben und Ruß waren an den Oberseiten der Stuckprofile schmutzig-rußige Ablaufspuren zu verzeichnen, vermutlich durch Kondenswasser verursacht. An der Südseite waren umfangreiche Salzausblühungen feststellbar. Feuchte und Salze haben zu gravierenden Verlusten in dieser Zone geführt. Die Malschichten sind stark gestört und in weiten Teilen gar nicht mehr vorhanden. Der Stuck ist entfestigt und der Bestand um mehrere Millimeter reduziert. In anderen Bereichen ist die Oberfläche verhärtet und weist blasenartige, aufgeworfene Verkrustungen auf. Heute ist dieser Decken- und Wandbereich trocken, ein weiterer Salztransport demnach minimiert. Voute und Stuckgesims sind im westlichen Bereich der Südwand, am östlichen Bereich der Nordwand und an der Westwand besonders stark geschädigt. Das untere Viertel der Voute ist nicht mehr vorhanden. Stuckgesimse und Fries fehlen vollständig. Bei vor Beginn der Restaurierung stattfindenden Arbeiten an den Wänden ist ein Teil des Stuckgesimses der Südwand abgefallen, konnte aber geborgen werden, teilweise jedoch in Bruchstücken. Die an Verlustzonen angrenzenden Stuckprofile weisen Abbruchkanten auf.

Restaurierung und Rekonstruktion
Schmutzauflagerungen, Spinnweben und lose aufliegenden Salzausblühungen wurden abgenommen. In einem zweiten Schritt erfolgte die trockene Reinigung des Stucks mit Gomma Pane. Ausgenommen von der Reinigung blieb zunächst der gemalte Fries. Hier wurde die Reinigung erst nach erfolgter Festigung der Malschicht durchgeführt, da eine vorhergehende Reinigung der kreidenden Malschicht sonst nicht verlustfrei möglich gewesen wäre.
Einige Segmente des unteren Stuckgesimses waren locker und wurden abgenommen und replatziert. Die vor Beginn der Restaurierung abgefallenen und geborgenen Stuckprofile wurden ebenfalls replatziert. Die Fixierung erfolgte mit Stuckgips, die intakten historischen Dübel wurden wiederverwendet.
In Abstimmung mit Eigentümern und Niedersächsischem Landesamt für Denkmalpflege wurde entschieden, die Stuckgesimse vollständig zu ergänzen. Die einzelnen Profile sollten dabei als Rekonstruktion des Originalbestands ausgeführt werden. Alle Profile sollten in Teilstücken gegossen und nicht in situ gezogen werden. Zu dieser Entscheidung kam es, weil eine Anbringung der Führungslatten für den Schlitten auf dem Bestand nicht möglich war und weil die Gussvariante einen geringeren Arbeitsaufwand erfordert. Alle Stuckprofile wurden abgeformt und davon Gießformen hergestellt. Für das untere und obere Stuckgesims wurde jeweils ein geborgenes Segment des Profils verwendet. Vom Deckenprofil lag kein abgelöstes Stück vor, daher wurde hier die Abformung in situ vorgenommen. Die Stuckprofile wurden in Gips (Halbhydrat) gefertigt. Sie wurden rückseitig mit Dübeln zur Verankerung in der Wand versehen (Gewindestangen aus Messing). Die Stuckprofile wurden in Gips versetzt. Ausbrüche im originalen Stuckbestand wurden ergänzt. Der Fries wurde mit Kalkmörtel verputzt und anschließend verdichtet. Die Oberfläche wurde in Anlehnung an den originalen Bestand gestaltet. Auf einen Feinzug mit Gips wurde hier verzichtet.
Sämtliche Retuschen erfolgten mit Leimfarbe. Es wurden Vollretuschen im Grundton ausgeführt. Beim bemalten Fries wurde vollständig auf Retuschen verzichtet. Die Oberfläche des geglätteten Verputzes passt sich den abgewitterten originalen Oberflächen bereits sehr gut an. Eine Nutzung des Hintergrundtons war hier aufgrund der kräftigen Farbigkeit ausgeschlossen.