Gips/Kalk/Zement

Hannover, Bethlehemkirche, Südquerhaus, Fensteröffnung
Restaurierung 2011

Material: Kalkmörtel, Kalkschlämme, Sandstein, Ziegel
Datierung: 1902-06

Der Bau der Bethlehemkirche in Linden, entworfen von Karl Mohrmann, wurde 1902 begonnen und 1906 fertiggestellt. Der historistische Kirchenbau in Form einer Basilika erhielt 1914 eine Ergänzung durch den Anbau von Pfarr- und Gemeindehaus, die an der Südseite mit der Kirche verbunden sind.
Das doppelbögige Fenster in der Südwand, ursprünglich in der Außenwand, verlor mit dem Anbau des Pfarrhauses seine Funktion, war möglicherweise aber noch immer als Fenster sichtbar. Später wurde es von außen vermauert. Spätestens mit der Umbaumaßnahme der 1960er Jahre wurde das Fenster von innen mit Holz verkleidet. Während der aktuellen Restaurierungsmaßnahmen in der Bethlehemkirche wurde die Holzverkleidung abgenommen.
Aufgrund der hier möglichen Ablesbarkeit der Bau- und Umnutzungsgeschichte sollte der freigelegte Fensterbestand als Fragment erhalten werden. Eine zurückhaltende Reinigung und optische Beruhigung der strukturell und farblich sehr verschiedenen Oberflächen war jedoch bauseits erwünscht.

Erhaltungszustand
An den Fensterleibungen und dem Fenstersims waren durch die Vermauerung Mörtelrückstände und Verunreinigungen verblieben. Der Mörtel befand sich auch an den Flächen und in den Vertiefungen der ursprünglich außen stehenden Mittelsäule. Die mit Teer versiegelte Ablaufrinne für Kondenswasser war durch Mörtelreste, Schmutz und Unrat verschmutzt und verschlossen. An allen sichtbaren Steinoberflächen lag Verschmutzung in Form von Staub, Spinnweben und Ruß vor. Die horizontalen Metallstreben der Bleiverglasung sind in situ erhalten. Sie sind verschmutzt und stellenweise leicht korrodiert. Die Ziegel der Vermauerung weisen Verschmutzung, Spinnweben und Mörtelschleier auf. Besonders auf den Quetschfugen des Setzmörtels hat sich Schmutz angelagert. Die Ziegelmauer endet ca. 20-30 cm unterhalb des Bogenscheitels. Hier befindet sich ein Verputz auf Holzbrettern mit Schilfrohr. Der Putz liegt in vielen Bereichen lose und hohl und weist umfangreiche Fehlstellen auf. Zwischen dem oberen Brett und dem Bogenscheitel sind ca. 5-8 cm offen.

Vorzustand Vorzustand Detail nach Reinigung
Detail, Vorzustand Endzustand - noch feucht

Restaurierung
Alle Steinflächen, die Ablaufrinne und die Metallstreben wurden gereinigt. Die vorhandene Patina wurde bei dieser Maßnahme, wie gewünscht, erhalten. Die Quetschfugen des Setzmörtels wurden reduziert, um künftige Schmutzanlagerungen zu verringern und die Mauerfläche optisch zu beruhigen.
Offene Fugen wurden mit Kalkmörtel geschlossen. Die Ziegelmauer wurde abschließen mit einer Kalkschlämme versehen, die bewirkt, dass der heterogene Bestand optisch zusammengezogen und miteinander verbunden wird, dabei die Materialstrukturen aber sichtbar bleiben. Der Verputz im oberen Bereich wurde mit Kalkmörtel ergänzt.